Unsere Liebe Frau von der göttlichen Liebe und das Wirken von Don Umberto Terenzi

Representación artística de Nuestra Señora del Divino Amor.

Die Ursprünge von Castel di Leva im römischen Umland

Die mittelalterlichen Wurzeln der heutigen Wallfahrtsstätte reichen bis in das 11. Jahrhundert zurück. Eine päpstliche Bulle Gregors VII. aus dem Jahr belegt erstmals das ländliche Anwesen unter der Bezeichnung Casale Castellione, welches damals der Benediktinerabtei Sankt Paul vor den Mauern unterstellt war. Im Jahr ging das strategisch gelegene Areal im südlichen Agro Romano an die Adelsfamilie Savelli über. Diese errichtete dort eine befestigte Anlage mit Wehrmauern und Ecktürmen, die als Castrum Leonis bekannt wurde und aus der später der Ortsname Castel di Leva hervorging.

Wie stadtgeschichtliche Aufzeichnungen von Roma Capitale dokumentieren, übertrug der Priester Cosimo Giustini im Jahr das Gut an römische Fürsorgeeinrichtungen, namentlich das Conservatorio di Santa Caterina della Rosa und das Waisenhaus Casa degli Orfani. In den folgenden Jahrhunderten verfiel das Kastell zunehmend, während die landwirtschaftliche Nutzung der umliegenden Campagna durch Pächter und Hirten fortbestand.

Das mittelalterliche Wandfresko und der theologische Bildgehalt

An der Innenwand eines der verfallenen Wehrtürme befand sich ein Fresko, das kunsthistorisch in das späte 13. oder 14. Jahrhundert datiert wird. Die stilistische Einordnung verweist auf das Umfeld der römischen Malerschule um Pietro Cavallini, wenngleich eine exakte Autorschaft archivalisch nicht gesichert ist. Das Bildprogramm zeigt die thronende Gottesmutter mit dem segnenden Jesuskind auf dem Schoß, überhöht von der herabsteigenden Taube als Symbol des Heiligen Geistes.

Die Anrufung als unsere liebe frau von der gottlichen liebe (italienisch Madonna del Divino Amore) bezieht sich dogmatisch auf die dritte göttliche Person der Trinität, die in der christlichen Theologie als personale göttliche Liebe gefasst wird. Das Bildnis ist kein Staffeleigemälde, sondern entstand direkt auf dem Mauerwerk der Wehranlage, was spätere konservatorische Eingriffe stark erschwerte. Als unsere liebe frau von der gottlichen liebe fand das Marienbildnis tiefen Eingang in das religiöse Leben der römischen Region.

Vom Hirtenpfad zum barocken Zentralbau von Filippo Raguzzini

Die volkstümliche Frömmigkeitstradition verzeichnet für das Frühjahr die Rettung eines ortsunkundigen Wanderers, der nach dem Bericht zeitgenössischer Chroniken beim Angriff wilder Hirtenhunde Zuflucht bei dem Turmfresko suchte und unversehrt blieb. Dieser Vorfall führte zu einem rasch anwachsenden Pilgerstrom aus den Dörfern der Umgebung, woraufhin Kardinalvikar Giovanni Antonio Guadagni am die Sicherung des Freskos anordnete.

Bei der Abnahme des Mauerstücks im Jahr kam es zu Beschädigungen der Malschicht und zu Kompetenzstreitigkeiten zwischen dem Laterankapitel und dem Conservatorio di Santa Caterina della Rosa. Nach einer Zwischenlagerung in der Nachbarkirche Santa Maria ad Magos in Falcognana wurde das Fresko am Ostermontag, dem , feierlich in das neu errichtete barocke Heiligtum übertragen. Der Entwurf stammte von dem neapolitanischen Architekten Filippo Raguzzini; Papst Benedikt XIV. gewährte für diesen Anlass einen vollkommenen Ablass. Am weihte Kardinal Carlo Rezzonico, der spätere Papst Clemens XIII., das Gotteshaus feierlich ein, wie historische Dokumente auf dem Portal Santuario Madonna del Divino Amore belegen.

Der desolate Zustand des Ensembles zu Beginn des 20. Jahrhunderts

Trotz der anfänglichen barocken Blütezeit geriet das Heiligtum im Verlauf des 19. Jahrhunderts erneut in eine Phase des materiellen und pastoralen Niedergangs. Die Abgeschiedenheit in der unwegsamen, von Malaria bedrohten römischen Campagna trug dazu bei, dass die Gebäude verwahrlosten und die seelsorgliche Betreuung der verstreuten Landbevölkerung weitgehend zum Erliegen kam. Nur zu bestimmten Festtagen zogen noch kleinere Gruppen von Gläubigen über die Via Ardeatina hinaus.

Als der junge römische Priester Don Umberto Terenzi in den Jahren und die Leitung übernahm, fand er ein weitgehend verlassenes Areal vor. Das Vikariat von Rom errichtete am formell die Pfarrei Santa Maria del Divino Amore a Castel di Leva und betraute Terenzi mit der doppelten Aufgabe, die Pfarrseelsorge für die Landarbeiter aufzubauen und die Wallfahrtsstätte zu sanieren.

Don Umberto Terenzis pastorale Strategie für Castel di Leva

Don Terenzi begriff die Restauration des Heiligtums von Beginn an nicht als reines Bauprojekt, sondern als umfassende soziale und pastorale Erneuerung des Umlands. Er begann mit der Errichtung einer Grundschule und richtete medizinische Notfallstationen ein, um den extrem benachteiligten Familien der Campagna eine grundlegende Infrastruktur zu bieten. Die Alphabetisierung der Kinder und die hygienische Aufklärung gehörten zu seinen ersten Maßnahmen vor Ort.

Zugleich reorganisierte er die Liturgie und band die lokale Bevölkerung fest in die Organisation des Heiligtums ein. Die Verehrung, die unsere liebe frau von der gottlichen liebe in den Herzen der einfachen Landbevölkerung genoss, bildete das geistliche Fundament, auf dem Terenzi ein weit verzweigtes Hilfsnetzwerk aufbaute, wie auch das Vikariat in Beiträgen der Diocesi di Roma hervorhebt.

Gründung der Kongregationen der Oblaten und Töchter der göttlichen Liebe

Um dem wachsenden Aufgabenfeld eine dauerhafte institutionelle Form zu geben, initiierte Don Terenzi geistliche Gemeinschaften. Am gründete er die Kongregation der Töchter der Jungfrau von der göttlichen Liebe (Figlie della Madonna del Divino Amore). Wie die Ordensgeschichte auf dem offiziellen Portal der Figlie della Madonna del Divino Amore ausführt, übernahmen die Schwestern vor allem Aufgaben in der Erziehung, der Waisenfürsorge und der praktischen Unterstützung mittelloser Familien.

Ergänzend dazu rief Terenzi die Gemeinschaft der Priester-Oblaten ins Leben. Diese Priestergemeinschaft widmete sich der ständigen geistlichen Betreuung der Pilger, der Beichtseelsorge und der Mission im Umland der italienischen Hauptstadt. Durch diese Gründungen entstand in Castel di Leva ein administratives und spirituelles Zentrum, das unabhängig von äußeren Krisen handlungsfähig blieb.

Das Gelübde der Stadt Rom vom 4. Juni 1944

Während des Zweiten Weltkriegs rückte das Heiligtum in das Zentrum der römischen Stadtgeschichte. Angesichts der heranrückenden Front und der drohenden Zerstörung Roms durch Kampfhandlungen wurde das Gnadenbild zur Sicherheit in die Innenstadt gebracht. Am versammelten sich Tausende von Gläubigen mit kirchlichen Würdenträgern in der Kirche Sant'Ignazio di Loyola und legten ein feierliches Gelübde ab, worüber unter anderem RomaSette ausführlich berichtet.

Der Wortlaut des Votivaktes richtete sich an Maria unter dem traditionsreichen Titel Salus Populi Romani vor dem dort aufgestellten Fresko der Madonna del Divino Amore. Das Gelübde umfasste drei Verpflichtungen: die moralische Erneuerung des christlichen Lebens, den Bau eines neuen Heiligtums in Castel di Leva und die Errichtung eines caritativen Werkes zur Unterstützung von Waisen. Am Abend desselben Tages zogen die deutschen Truppen kampflos aus Rom ab, ohne dass es zu Zerstörungen im Stadtgebiet kam. Am hielt Papst Pius XII. in Sant'Ignazio eine Dankansprache vor dem Gnadenbild.

Sozialwerke und Waisenfürsorge in der Nachkriegszeit

Unmittelbar nach Kriegsende begann Don Terenzi mit der Einlösung des caritativen Teils des Gelübdes. Anstelle monumentaler Neubauten gab er der praktischen Notfallhilfe den Vorrang. In Castel di Leva entstanden Einrichtungen zur Aufnahme von Kriegswaisen, Ausbildungsstätten für Jugendliche und Wohnheime für Bedürftige.

Die von Terenzi geleiteten Institutionen finanzierten sich vor allem durch Spenden der anwachsenden Pilgerschar. Der Priester legte Wert darauf, dass jede bauliche Erweiterung des Heiligtums mit einer konkreten sozialen Funktion für die Schwächsten der Gesellschaft verknüpft war. Die Wallfahrtsstätte entwickelte sich so zu einem der aktivsten Fürsorgezentren des Bistums Rom.

Entwicklung der nächtlichen Fußwallfahrt von der Porta Capena

Parallel zu den Sozialwerken etablierte sich eine spezifische Pilgertradition. Zwischen dem ersten Samstag im Mai und Ende Oktober brechen Gläubige jeweils um Mitternacht an der Porta Capena im Zentrum Roms auf, um die rund 14 Kilometer lange Strecke über die Via Appia Antica und die Via Ardeatina zu Fuß zurückzulegen.

Wie die Dokumentation der Opera Romana Pellegrinaggi sowie das Portal Santuario Madonna del Divino Amore festhalten, erreichen die Pilgergruppen das Heiligtum in den frühen Morgenstunden des Sonntags zur ersten Messfeier. Diese nächtliche Buß- und Bittpraxis wurde von Terenzi gefördert, um den Gläubigen abseits des städtischen Alltags einen intensiven Raum des Gebets zu eröffnen.

Vom Provisorium zur Weihe des Neuen Heiligtums 1999

Die Realisierung des architektonischen Teils des Gelübdes von 1944 verzögerte sich über mehrere Jahrzehnte, bedingt durch baurechtliche Prüfungen im Landschaftsschutzgebiet des Agro Romano und die Priorisierung sozialer Projekte. Erst in den 1990er-Jahren begannen die Arbeiten am Neuen Heiligtum, entworfen von Frater Costantino Ruggeri und dem Architekten Luigi Leoni.

Der moderne Bau wurde harmonisch in den Hang unterhalb der historischen Wehranlage eingefügt, um das Landschaftsbild nicht zu dominieren. Am weihte Papst Johannes Paul II. das neue Gotteshaus feierlich ein. Er hatte das Heiligtum bereits bei seinem ersten Pastoralbesuch am als marianisches Herz der Diözese Rom bezeichnet, wie in den offiziellen Dokumenten auf Vatican.va nachzulesen ist. Im Heiligen Jahr 2000 wurde der Komplex durch die Initiative des Heiligen Stuhls, dokumentiert bei den Chiese Giubilari, zudem in den traditionellen Sieben-Kirchen-Pilgerweg der Stadt Rom integriert.

Kanonischer Status und Seligsprechungsprozess von Don Terenzi

Don Umberto Terenzi verstarb 1974 an der Stätte seines Lebenswerks. Im Jahr eröffnete die Diözese Rom offiziell das Seligsprechungsverfahren für den Priester, um dessen heroischen Tugendgrad und pastorale Verdienste zu prüfen. In der Krypta des Neuen Heiligtums fanden zudem am die Gebeine der seligen Eheleute Luigi Beltrame Quattrocchi und Maria Corsini ihre letzte Ruhestätte, worauf auch die Enciclopedia Treccani verweist.

Papst Franziskus unterstrich die Bedeutung der Wallfahrtsstätte mehrfach: Am vertraute er während der weltweiten Pandemie die Stadt Rom der Gottesmutter von Castel di Leva an. Am erhob er die Kirche zur Titeldiakonie und verlieh Kardinal Enrico Feroci, dem damaligen Rektor des Heiligtums, den Kardinalspurpur. Bis heute bleibt die Verehrung, die unsere liebe frau von der gottlichen liebe an diesem Ort erfährt, untrennbar mit dem karitativen Lebenswerk Terenzis verknüpft.

Quellen und weiterführende Dokumente

  • Dicastero per l'Evangelizzazione: Santuario del Divino Amore – Chiese Giubilari. Offizielles Dokumentenportal zum Heiligen Jahr, Vatikanstadt.
  • Diocesi di Roma: La Madonna del Divino Amore 'fa le grazie a tutte l'ore'. Historische Abhandlung des Vikariats der Diözese Rom, Rom.
  • Figlie della Madonna del Divino Amore: Carisma e Fondatore Don Umberto Terenzi. Dokumentation der Kongregation, Rom.
  • Istituto della Enciclopedia Italiana: Divino Amore. Treccani Enzyklopädie, Rom.
  • Opera Romana Pellegrinaggi: Pellegrinaggio notturno al Santuario del Divino Amore. Offizieller Pilgerführer des Vikariats von Rom, Rom.
  • Roma Capitale – Dipartimento Grandi Eventi, Sport, Turismo e Moda: Santuario della Madonna del Divino Amore. Kultur- und Tourismusportal, Rom.
  • RomaSette: 4 giugno 1944: 'Ecco come nacque quel voto alla Madonna'. Diözese Rom, Rom.
  • Santuario Madonna del Divino Amore: Le Origini del Santuario del Divino Amore e la storia del Novecento. Historisches Archiv von Castel di Leva, Rom.
  • Vatican.va: Omelia di Giovanni Paolo II durante la visita al Santuario del Divino Amore (1° maggio 1979). Libreria Editrice Vaticana, Vatikanstadt.

Häufig gestellte Fragen

Welche Rolle spielte Don Umberto Terenzi in Castel di Leva?

Don Umberto Terenzi übernahm 1931 die Leitung des damals verfallenen Heiligtums. Er baute Schulen, Waisenhäuser und Krankenstationen für die Landbevölkerung auf, gründete zwei Ordensgemeinschaften und entwickelte Castel di Leva zu einem bedeutenden Zentrum der Seelsorge und Karitas.

Was beinhaltete das römische Gelübde vom 4. Juni 1944?

Das Gelübde verpflichtete die Bürger und Geistlichen Roms zu einer sittlichen Erneuerung des christlichen Lebens, zum Bau eines neuen Heiligtums in Castel di Leva sowie zur Errichtung eines karitativen Fürsorgewerks für Kriegswaisen als Dank für die Verschonung der Stadt vor der Zerstörung.

Welche Ordensgemeinschaften wurden am Heiligtum gegründet?

Don Umberto Terenzi gründete am 25. März 1942 die Frauenkongregation der Töchter der Jungfrau von der göttlichen Liebe (Figlie della Madonna del Divino Amore) sowie die Priestergemeinschaft der Oblaten, die bis heute die pastorale und soziale Arbeit am Heiligtum tragen.

Wann wurde das Neue Heiligtum von Castel di Leva geweiht?

Das von Frater Costantino Ruggeri und Luigi Leoni entworfene Neue Heiligtum wurde am 4. Juli 1999 von Papst Johannes Paul II. feierlich geweiht. Damit wurde der bauliche Teil des Gelübdes von 1944 nach jahrzehntelanger Verzögerung architektonisch erfüllt.

Was zeigt das ursprüngliche Gnadenbild in Castel di Leva?

Das mittelalterliche Wandfresko aus dem 13. oder 14. Jahrhundert zeigt die Gottesmutter als Himmelskönigin auf einem Thron mit dem Jesuskind auf dem Schoß, überhöht von der herabsteigenden Taube, die den Heiligen Geist als göttliche Liebe symbolisiert.

Wie verläuft die traditionelle Nachtwallfahrt zum Heiligtum?

Die Wallfahrt findet von Mai bis Oktober wöchentlich statt. Die Pilger brechen samstags um Mitternacht an der römischen Porta Capena auf und legen die rund 14 Kilometer lange Strecke über die Via Ardeatina zu Fuß zurück, um am Sonntagmorgen in Castel di Leva einzutreffen.